Promoterin
Was würdest du gern besser noch können? Was machst du schon besser?
Ich bin auf jeden Fall selbstbewusster geworden, das kann ich definitiv schon besser. Das konnte ich am Anfang nämlich nicht so gut und hab mir da immer große Mühe geben müssen, nicht irgendwie unterzugehen. Das habe ich in den letzten Jahren auf jeden Fall gelernt. Was ich noch besser können möchte…manchmal fehlt es mir ein bisschen an Konzentration oder Fokus. Ich bin dann mit zu vielen Dingen auf einmal beschäftigt in meinem Kopf. Das möchte ich gern noch besser hinbekommen.
Welchen Wandel siehst du in der Branche?
Ich sehe in der Branche einen sehr schönen Wandel, es gibt mehr Frauen, auf und hinter der Bühne. Das dauert wahrscheinlich auch alles noch, bis es dann auch überall angekommen ist, aber in meiner „Bubble“ gibt es schon sehr viel mehr Frauen, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Und ich glaube auch, dass die Branche ein bisschen toleranter wird. Viele Sachen wurden in den letzten Jahrzehnten einfach so durchgewunken und davon gehen jetzt einige halt einfach nicht mehr. Es gibt mehr Gespräche, über zum Beispiel sexuelle Übergriffe, die vorher nicht so geführt wurden. Das war da einfach normal leider. Obwohl das natürlich nichts mit Toleranz zu tun hat, sondern einfach mit Aufklärung. Aber soweit ich das beurteilen kann in dem Umfeld, in dem ich arbeite, würde ich schon sagen, dass es besser geworden ist. Oder ich hoffe es wenigstens – als Frau bin ich ja auch nur ein kleiner Teil davon, was an Toleranz und Gleichberechtigung selbstverständlich sein sollte.
Wer oder was hat dir auf deinem Weg geholfen?
Meine Freund*innen haben mir viel geholfen, einfach nicht aufzugeben, oder dran zu bleiben. Manchmal ist das ja nicht so einfach in der Branche. Manchmal hat man das Gefühl man schafft es vielleicht doch nicht mehr. Oder eben auch Kolleginnen, die einen unterstützen. Ich habe viele Leute bei FKP, die mir auch geholfen haben – zum Beispiel auch selbstbewusster mit meinen Aufgaben umgehen zu können und auf das zu vertrauen, was ich mache und dass ich das gut mache.
Was würdest du gern an andere Frauen in der Branche weitergeben?
Ich würde gern an die Frauen in der Branche – und auch an die Frauen, die vielleicht vorhaben in die Branche zu gehen – weitergeben, dass man nicht aufgeben sollte. Das hab ich jetzt oft gesagt, aber es ist einfach so. Dass man einfach dranbleiben sollte, wenn man Fuß fassen will und das wirklich möchte. Sich nicht sofort abwimmeln lassen, wenn zum Beispiel eine Absage bekommt; irgendwann klappt’s hoffentlich.
Ansonsten würde ich gern weitergeben, dass man sich untereinander unterstützt und unvoreingenommen bleibt.
Und sich Auszeiten zu nehmen! Keine Angst davor zu haben, sich auch mal rauszunehmen.
Wie gehst du damit um, wenn du in Schubladen gesteckt wirst?
Am Anfang bin ich ganz schlecht damit umgegangen, da hat mich das wahnsinnig irritiert. Und traurig gemacht. Weil das sehr oft passiert ist. Ich weiß nicht, ob das an meiner Größe liegt oder so, ich weiß es nicht. Aber mir ist das sehr häufig passiert und eigentlich passiert es auch immer noch. Ich weiß nicht, wie oft ich für die Freundin von wem auch immer im Backstage gehalten wurde. Obwohl ich die ganze Zeit ganz offensichtlich gearbeitet habe. Ich habe gelernt, dass ein bisschen zu ignorieren oder mich da nicht so von runterziehen zu lassen. Inzwischen spreche ich das dann auch immer an. Wenn jemand meint, mich ganz offensichtlich in eine Schublade stecken zu müssen, dann sorge ich dafür, dass ich da ganz schnell wieder rausgeholt werde. Und am besten in gar keine andere mehr gesteckt werde. Ich denke, das ist superwichtig sowas anzusprechen, auch wenn das manchmal nicht so einfach ist. Aber sonst lernen diese Personen es einfach nicht.
Was ist dein wichtigstes Tool im Arbeitsalltag?
Mein Laptop, ganz klar. Und da drauf wahrscheinlich Excel. Ohne meine Excellisten kann ich quasi nicht arbeiten. (Immer dieses wilde Rockstarleben :D)
Und ich glaube, meine Präsenz bei Shows ist auf eine Art ein wichtiges Tool. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich einige Beziehungen nicht so aufgebaut hätte, wenn ich nicht häufig vor Ort gewesen wäre. So dass die Künstler*innen sich wohl fühlen und irgendwie auch einen Bezug zu mir haben.
Welche Maßnahmen würden dir aktuell in der Pandemie helfen?
Ich habe zum Glück den Vorteil, festangestellt zu sein, das ist schonmal eine Sorge weniger. Das ist mit Sicherheit für andere nicht ganz so einfach. Meine Firma ist da zum Glück auch ganz gut in der Branche aufgestellt, so dass wir uns nicht so große Sorgen machen mussten, dass alles direkt zu Bruch geht.
Aber natürlich wäre es trotzdem gut, wenn jetzt langsam mal Dinge ausprobiert würden, um der Branche wieder auf die Füße zu helfen – wie jetzt zum Beispiel das 2G-Modell in Hamburg, wenigstens im kleinen Rahmen. Irgendwo muss man ja anfangen und austesten, so dass es sich auch für uns wieder lohnt. Sonst treten wir weiter auf der Stelle.
DAS ENDE DER FAHNENSTANGE: Was würdest du gern für dich persönlich noch erreichen?
Hui, das ist eine schwierige Frage, da muss ich kurz drüber nachdenken.
Ich glaub, ich möchte erstmal die Dinge, die ich in meiner Rolle als Assistenz noch lernen darf, lernen. Es gibt da noch einige Dinge, die ich noch nicht kann und die ich gern noch lernen möchte. Sowas wie zum Beispiel mal alleine eine Barclay-Card-Arena-Show abrechnen, das habe ich noch nie gemacht. Das ist zum Beispiel auch was, worauf ich seit Jahren hinarbeite.
Ansonsten möchte ich mir am liebsten meinen Tag so einteilen können, dass ich nicht von 10 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts arbeite. Das würde ich gerne irgendwann erreichen, dass das auch anders geht.
Und ich möchte einfach gern immer das, was ich mache, mit Überzeugung machen. Wenn das nicht mehr so wäre, dann müsste ich mir wahrscheinlich was anderes suchen.
Wie könnten sich Frauen in der Brache mehr unterstützen?
Frauen in der Branche können sich mehr unterstützen, indem sie vielleicht auch ablegen in Schubladen zu denken – ich glaube, das machen auch viele Frauen noch ein bisschen. Man muss aktiv auch bei sich selbst dagegen arbeiten, in bestimmten Weisen zu denken oder Menschen in bestimmte Schubladen zu stecken, ohne es vielleicht zu merken sogar!
Kritik annehmen ist auf jeden Fall auch eine gute Unterstützung; egal ob das eine bestimmte Denkweise ist, oder wie man arbeitet, etc. Kritik sollte man im besten Fall immer irgendwie annehmen und verarbeiten, auf welche Weise auch immer. Es muss ja nicht mal richtig sein, was die Person gegenüber sagt. Aber manchmal ist vielleicht auch was dran. 😉
Und ich glaub am besten können sich Frauen gegenseitig unterstützen, indem sie sich weiterempfehlen, wenn es darum geht, Stellen neu zu besetzen oder Techniker*innen gesucht werden – dann werden meistens irgendwelche Männer genannt, obwohl die meisten wahrscheinlich mindestens eine Frau kennen, die das auch machen könnte.
Was war ein schöner Moment zuletzt?
Ich durfte letztes Wochenende zum ersten Mal seit 2 Jahren mit meiner besten Freundin im Molotow Keller auflegen, so richtig mit tanzenden Menschen. Wir waren Teil der Aftershow Party nach dem Reeperbahn Festival. Das war überwältigend, auch ein bisschen beängstigend, aber vor allem wunderschön. So viele tolle Menschen endlich mal wieder zu sehen und zusammen Spaß zu haben, hat sich fast schon wieder normal angefühlt. Am Ende musste ich auf jeden Fall die ein oder andere Träne verdrücken und mich mal kurz kneifen.
Was bestärkt dich in schwierigen Zeiten?
Ich glaube, da kann man echt nicht oft genug sagen, wie wichtig Freund*innen und das soziale Umfeld sind. Alle Menschen in meinem Umfeld bestärken in schwierigen Zeiten, glücklicher Weise. Ohne die, keine Ahnung was ich dann machen würde.
Welche Frauen in der Branche bewunderst du & warum?
Ich bewundere eigentlich alle Frauen in der Branche, weil der Kampf gegen Vorurteile eine nämlich vor ganz große Herausforderungen stellen kann, und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum in den vergangenen Jahren nicht so viele Frauen in der Branche gab. Oder zumindest einer der Gründe. Deswegen bewundere ich eigentlich jede Frau, die ihren Weg geht und einfach macht, was sie machen möchte, und sich nicht davon beirren lässt, was irgendein „Mann“ zu sagen hat dazu. Frauen, die vor allem schon lange in der Branche sind und für die das mit ziemlicher Sicherheit noch viel schwieriger war. Das find ich krass und wirklich bewundernswert. So wie in jeder anderen Branche, in der vielleicht noch weniger Frauen unterwegs sind als bei uns.