Managerin
Wie bist du in den Bereich gekommen?
Da muss ich ein bisschen ausholen. Schon während meinem Abitur habe ich für den NDR gearbeitet. Erst als Promoterin, später dann in der Künstler -und Moderatorenbetreuung. Ich bin einfach wahnsinnig gerne unter Leuten auf Veranstaltungen und liebe das auch heute noch. Wenige Tage nach meinem Abiball habe ich dann ein Praktikum bei Universal angefangen, ich saß mit meinen 18 Jahren in diesen riesen Büroräumen in Berlin. Danach hab ich bei Four Artists eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und war dort dann fünf Jahre, unter anderem auch als Projektmanagerin. Mit einem Stipendium der IHK durfte ich mich weiterbilden, einige Zeit in New York verbringen und sogar den Ausbilderschein machen. Obwohl ich super happy mit dem Team bei Four Artists war, wollte ich mich unbedingt noch weiterentwickeln und hab mich dann selbstständig als Tourmanagerin gemacht. Durch all die Menschen, die man auf Tour und Festivals kennenlernt, hab ich meine erste Künstlerin komplett gemanaged und dann Nicolas Gundel kennen gelernt, bei dessen Firma Fette Beute Entertainment GmbH ich mich nun komplett aufs Künstler Management konzentriere. Wir betreuen unter anderem Johannes Oerding, Disarstar, Revelle, Tonbandgerät und viele weitere tolle Acts. Mein Job ist wahnsinnig vielfältig und wird nie langweilig – ich bin hier richtig glücklich und hab das Gefühl angekommen zu sein.
Was würdest du gerne an andere Frauen in der Branche weitergeben?
Ich glaube, es ist wichtig mutig zu sein und andere Frauen nicht als Konkurrenz zu sehen. Dass wir uns gegenseitig mehr unterstützen und sehr viel voneinander lernen können, das würde ich gerne an andere Frauen weitergeben.
Über welches unbequeme Thema sollte mehr gesprochen werden?
Ich mag das Wort unbequem nicht, denn es sollte nicht unbequem sein, über Probleme zu sprechen. Ich find es wichtig, dass wir bei allen möglichen scheinbar unbequemen Themen in die Diskussion gehen und darüber sprechen kann, ohne Austausch kommen wir nicht weiter.
Das fängt schon in der Schulbildung an. Schade ist, dass nicht die Aufklärung im Vordergrund steht, sondern vor allem auf sozialen Medien lieber auf Menschen losgegangen wird, die eine Haltung vertreten, und wenn es eine unaufgeklärte oder schwierige ist. Wir sollten viel mehr miteinander sprechen, vor allem weil wir ja alle ein Bewusstsein für viele Dinge über die letzten Jahre entwickelt haben. Eine Demokratie funktioniert nicht ohne Diskussion und Kommunikation.
Wie gehst du mit Schubladen um?
Gut, dass ihr diese Frage stellt. Tatsächlich hab ich als kleine, blonde Frau oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Als ich noch jünger war, war das noch extremer, inzwischen hab ich natürlich ein anderes Standing und kenne viele Leute in der Branche, die wissen, was ich tue, aber ich hab auch lernen müssen damit umzugehen. Die Blonde, die auch gerne mal Röcke trägt und sich neben Musik auch für Mode interessiert, damit hab ich eine Zeit lang sogar kokettiert, ich hatte dann eben einen pinken Taschenrechner. Weil ich Bock drauf hatte und mir dachte: ‘Gut, dann erst recht, wenn, dann richtig’. Und dann wurde das akzeptiert.
Das ist das Ding, man kann ja auch etwas daraus machen, wenn man in Schubladen gesteckt wird. Auch wenn man sich mit der Zeit daran gewöhnt und lernt damit umzugehen, gibt es natürlich Momente, in denen man verletzt ist oder es einfach nur ärgert. Wenn ich zum Beispiel in ein Meeting gehe und gefragt werde, ob ich denn auch alles mitgeschrieben habe, nervt das. Meinen Kollegen würde das niemals jemand fragen.
Grundsätzlich hat das aber nichts mit einem selbst zu tun, sondern nur mit den Defiziten der Person, die dich in eine Schublade steckt.
Grundsätzlich haben wir alle noch ein großes Problem mit kategorisieren, ich merke auch bei mir selbst, dass ich sofort einen ersten Eindruck entwickle. Dann versuch ich die Schublade selbst nochmal auf zu machen und nochmal zu schauen, ob das wirklich so passt. Manchmal passt das, manchmal eben nicht. Ich war als Tourmanagerin viel mit Rappern unterwegs und war für Veranstalter*innen oft einfach „Die Freundin“. Gerade bei technischen Absprachen wurde ich gerne übergangen. Ich habe das Glück, dass ich mit vielen tollen Männern arbeite, die einfach sagen: „Keine Ahnung, sprich bitte mit der Chefin.“
Was würdest du gerne besser können?
Tatsächlich muss ich da lange nachdenken, weil es auf jeden Fall viele Dinge gibt, die ich gerne besser können würde. Man muss sich immer weiterentwickeln und sollte immer dazulernen wollen. Meine Mutter hat mir das so erklärt: Das Leben ist wie ein Trichter. Am Anfang kannst du ganz viele Informationen aufnehmen und nach der Zeit wird das immer weniger. Ich hab für mich gelernt, Dinge nicht mehr so persönlich zu nehmen. Ich hab mich am Anfang in dieser Branche ganz oft unwohl gefühlt, weil ich dachte die Anderen verstehen mich nicht oder mögen mich nicht. Und egal bei welchem Fehler, ich hab dann an mir gezweifelt. Gerade als junge Frau musste ich mich jeden Tag neu beweisen. Inzwischen bin ich mir meinem Wert bewusst und kann auch zugeben, wenn ich einen Fehler mache. Die Welt dreht sich weiter und ich bin viel sicherer mit mir selbst.
Welchen Wandel siehst du in der Branche?
Caja: Ich sehe immer mehr Frauen in hohen Positionen und freu mich sehr darüber. Die Zeit nur noch mit Männern am Tisch zu sitzen ist vorbei. Es verändert sich etwas und die Gattung „alte weiße Männer/Frauen“ ist einfach bald aus dem Berufsleben rausgewachsen. Es ist schön, dass Projektleiter*innen nicht mehr Assistenz heißen. Mich hat mal jemand gefragt, ob es mich denn nicht stört, dass meine Kollegin genau so angefangen hat wie ich und ob ich nicht Angst hätte, dass sie mir meinen Job wegnehmen könnte… Er hat einfach gar nicht drüber nachgedacht, dass es ein Vorteil sein könnte, das Team zu vergrößern.
Ich freue mich, dass Künstler wie auch z.B. Johannes Oerding bewusst weibliche Newcomerinnen als Tour Support dabei haben wollen und sich konkret mit dem Thema female Empowerment auseinander setzen.
Was war ein schöner Moment für dich zuletzt?
Als ich entdeckt habe, dass lasern gar nicht weh tut. (lacht) Nein, im Ernst: Die Künstler*innen und Kolleg*innen, mit denen ich jetzt arbeite, bringen mir so eine Wertschätzung entgegen und ich fühl mich so, als müsste ich nicht mehr weiterreisen. Ich bin irgendwie angekommen. Und das ist für mich eine neue Erfahrung, weil ich immer Lust hab neues zu machen und jetzt etwas gefunden hab, wo ich viele Bereiche abdecken kann und da wirklich Spaß dran habe.
Was hat dich deine Arbeit gelehrt?
In der Veranstaltungsbranche geht es ja vor allem darum, lösungsorientiert zu denken und im Notfall immer einen Plan B oder C zu haben. Ich habe gelernt, mich nicht verrückt zu machen und entspannt zu bleiben. Lustigerweise kann ich das im Privatleben gar nicht so gut. Da bin ich viel chaotischer und gebe auch gerne mal ab. Ich muss nicht organisieren, das Auto fahren oder den Tisch reservieren, sondern genieße es abgeben zu können. Mich bringt wenig aus der Ruhe, weil ich weiß, dass es für alles eine Lösung gibt.
Was ist dein wichtigstes Tool im Arbeitsalltag?
Definitiv mein Handy. Ich ruf Menschen lieber schnell an, als ewig an einer Mail rumzuschreiben.
Welche Frauen bewunderst du?
Mir sind in der Zeit, die ich in dieser Branche arbeite, ganz viele tolle Frauen begegnet, die auch für meinen Weg prägend und maßgeblich waren. Das sind Frauen in meinem Umfeld wie meine Freundinnen in diesem Job. Zum Beispiel Selina Meyer, Agnes Stamml, Line Rindvig oder Stella Knauf-Pflock, mit denen ich unfassbar gerne zusammen arbeite. Wenn ich einen Rat brauche, kann ich einfach zum Telefon greifen – das ist ein schönes Gefühl. Und natürlich meine Mama.
