Ayleen Derriu

Produktionerin

Würdest du dich wieder für diese Laufbahn entscheiden & wenn ja, warum?

Oha, da muss ich etwas ausholen & ein bisschen zu meiner Laufbahn erzählen. Also, ich habe direkt nach dem Abitur Mediendesign studiert, habe im Service, Einzelhandel & als Grafikerin gearbeitet & bin dann irgendwann nach dem Studium in Hamburg gelandet. Ich hatte im Rahmen des Studiums schon mal ein Praktikum in Hamburg absolviert, habe in der damaligen WG einige meiner heute engsten Freundinnen kennengelernt & wollte dann unbedingt wiederkommen – also bin ich wiedergekommen. Nach einem Jahr in der Gastro habe ich dann durch Zufall einen Praktikumsaufruf des Molotows gesehen. Beim Bewerbungsgespräch habe ich mich sofort super wohl gefühlt & so habe ich dann ein dreimonatiges Praktikum absolviert & dort auch die Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau angefangen. Das war für mich so wild, da ich vorher nichts mit der Musikbranche zu tun hatte. Ich habe nach meinem Studium versucht, in irgendwelchen Werbe- & Designagenturen Fuß zu fassen, ich habe auch mal Online Marketing gemacht, also so Suchmaschinen-Optimierung, das war so trocken & schlimm – aber durch das Praktikum bzw. die Ausbildung beim Molotow hat sich für mich eine komplett neue Welt aufgetan. Ich bin ja jetzt auch immer noch in der Ausbildung & bin auch immer noch dabei so vieles zu lernen & zu verstehen – die ganzen Zusammenhänge & Hierarchien & so, aber ich würde mich immer wieder dafür entscheiden.

Wie gehst du damit um, wenn du in Schubladen gesteckt wirst?

Wenn ich von einer anderen Person in eine Schublade gesteckt werde, reagiere ich leider noch nicht mutig genug. Auch weil ich es oft erst viel später realisiere, wenn ich z.B. als Auszubildende nicht ernst genommen wurde. Ich hatte beispielsweise in meiner E-Mail-Signatur stehen, dass ich „Trainee“ bin, auch weil ich wollte, dass mein*e Gegenüber weiß, dass ich noch lerne. Das hat jedoch teilweise eher dazu geführt, dass ich nicht ernstgenommen wurde, nicht alle Informationen bekommen habe & dann doch lieber mit meinen erfahrenen Kolleg*innen gesprochen wurde. Daraufhin habe ich die Bezeichnung „Trainee“ in Absprache mit einem Kollegen wieder rausgenommen. Ich habe das Glück, dass mein Team da auch immer ein offenes Ohr hat, wenn ich mal in einer Situation nicht weiß, wie ich reagieren kann. 

Ich finde Schubladendenken insgesamt sehr altbacken & versuche es mir selbst abzugewöhnen bzw. hoffe ich, dass ich es selbst gar nicht mache. Jeder Mensch hat so viele Facetten – ich würde es nicht mal schaffen, mich selbst in eine Schublade „einzuordnen“. Es ist ja auch schade, wenn andere Menschen sich gar nicht die Mühe geben, mich kennenzulernen, sondern mich in die erstbeste Schublade stecken, um irgendeine Art Umgang mit mir zu finden. Das Wichtigste dabei ist, zu sich selbst zu stehen & sich eben nicht darauf reduzieren zu lassen.

Über welches unbequeme Thema (außer Sexismus) müsste mehr gesprochen werden?

Ich finde das eigene Wohlbefinden spielt im Alltag & im Job eine große Rolle. Sich bewusst zu machen, ob eine Situation oder ein Mensch gerade gut tut oder eben nicht & was das für Auswirkungen auf die eigene Psyche haben kann. Es sollte auf jeden Fall mehr über psychische Erkrankungen & den richtigen Umgang damit gesprochen werden. 

Außerdem sollte mehr für Awareness getan werden, z.B. in Clubs. Da treffen so viele unterschiedliche Menschen aufeinander & manchmal weiß man dann ja auch nicht, ob der*die Gegenüber cool ist oder nicht, was da manchmal die Beweggründe sind. Und dass da dann jemand ist, an den*die ich mich wenden kann, sollte ich mich aus welchen Gründen auch immer nicht sicher fühlen.

Welche Frauen (in der Branche) bewunderst du & warum?

Darüber habe ich mir heute schon Gedanken gemacht, haha. Ich glaube, es gibt keine Frau, die ich nicht für irgendwas bewundere. Ganz oben steht auf jeden Fall auch meine Mama. Je älter ich werde, umso mehr verstehe ich sie & ihre Entscheidungen, was sie ausmacht & sehe immer mehr, was für eine starke Frau sie ist. Da mein Papa lange im Ausland war, war sie quasi alleinerziehende Mutter & ich finde es unglaublich stark, wie sie das alles gemanagt hat, auch mit Haushalt & Job & allem. Aber sie hat sich auch nicht komplett aufgeopfert, sie findet sich immer wieder neu, entdeckt neue Hobbies & das finde ich mega gut.

Und ansonsten muss ich Fenja (Möller) hervorheben. Seit Beginn meines Praktikums im Molotow ist sie einfach immer für mich da gewesen – ich weiß nicht, woher sie diese Power nimmt, wirklich nicht. Egal was man braucht, teilweise muss man nicht mal was sagen, sie ist immer da & so empowernd. Sie lässt sich einfach nicht unterbuttern, aber buttert auch nie wen anders unter. Bei uns im Team ist sie immer diejenige, die viel Lob verteilt, aber auch Kritik so anbringen kann, dass sich niemand danach schlecht fühlt.

Wie können sich Frauen in der Branche mehr unterstützen?

Durch ‚We Are A Lot‘ auf jeden Fall, haha. Ich kenne – auch der Pandemie geschuldet – ja leider noch nicht so viele Menschen aus der Branche persönlich, aber zu sehen, wie viele Frauen sich untereinander bereits kennen & sich gegenseitig hypen, ist super schön.

Und ich finde, Frauen sollten immer ehrlich zueinander sein. Wenn man mal zusammenarbeitet & da ist vielleicht eine Situation nicht gut gelaufen, sollte man den Schritt aufeinander zugehen & versuchen, es direkt miteinander zu klären, um eben die Connection zu behalten & nicht in eine Konkurrenzsituation zu geraten.

Was bestärkt dich in schwierigen Zeiten?

Sich miteinander austauschen. Ich hatte in den letzten zwei Monaten ein bisschen Struggle mit mir selbst, mit meinen Selbstwert & habe gemerkt, dass der Austausch mit meinen Freundinnen sehr hilft. Dass man sich mitteilt & dann auch merkt, dass da sehr viel zurückkommt. Von anderen Menschen zu hören, dass es ihnen vielleicht ähnlich geht, hilft schon mal ungemein. Aber auch zu merken, dass es okay ist darüber zu reden, dass meine Gefühle & Gedanken valide sind. Das fiel mir in den letzten Monaten sehr schwer, aber es wird von Tag zu Tag besser.

Wer oder was hat dir auf deinem Weg geholfen?

Insgesamt das ganze Molotow-Team. Von der Tür, über Tresen, zur Technik & ins Büro. Neben Fenja gibt es da ja auch noch viele andere tolle Menschen, die mir sehr weitergeholfen haben. Zum Beispiel Naaaaddl, die so zwei/drei Jahre dabei war & die mir immer so viel Kraft gegeben hat, super supportive & einfach immer an meiner Seite war.

Was ist dein wichtigstes Tool im Arbeitsalltag?

Mein Laptop, da hänge ich eigentlich immer dran. Früher habe ich da mehr Design für diverse Social Media-Kanäle gemacht, jetzt bin ich in der Produktion & hänge daher nicht mehr in InDesign rum, sondern im Mailprogramm oder in Excel, haha. Als Ausgleich mache ich aber auch sehr praktische Sachen, wie Möbelschleppen, auch um ein bisschen Abstand zu bekommen. 

Das Ende der Fahnenstange: Was würdest du gerne für dich persönlich erreichen?

Mein Traum wäre irgendwann ein eigenes Café zu haben, wo aber auch Auftritte stattfinden können. Es gibt dann von morgens bis abends Frühstück, eine Leseecke & eine kleine Bühne. Die Idee mit der Bühne ist tatsächlich erst durch meine Ausbildung dazugekommen, weil sich dadurch mein musikalischer Horizont sehr erweitert hat – vorher habe ich fast nur Deutschrap gehört – aber es macht so viel Spaß, Künstler*innen kennenzulernen & zu veranstalten, dass ich das auch jeden Fall in mein eigenes kleines Café mitnehmen möchte.

Gibt es etwas, was du noch unbedingt sagen möchtest?

Da gibt es bestimmt vieles, jetzt gerade fällt mir nur ein: Mädels, lasst euch nicht unterkriegen & macht den Mund auf, wenn euch etwas nicht passt. Aber eben auch, wenn ihr etwas super findet, das muss in beide Richtungen gehen.