Anne Krug

Projektmanagerin

Wie bist du in den Bereich gekommen? Wie war dein beruflicher Werdegang?

    Hallo, vielen Dank erstmal für die Einladung! 

    Ursprünglich wollte ich Journalistin werden & hab auch in die Richtung studiert, nämlich Geschichte, Germanistik & Ethnologie. Während des Studiums habe ich schon für verschiedene Zeitungen geschrieben. Irgendwann hat mich das viele Schreiben nicht mehr so gepackt & Musik war immer das, was mich happy gemacht hat – sowohl hören als auch live auf Konzerten erleben oder selber machen. Durch Zufall bin ich bei einem Label gelandet &habe da ein halbjähriges Praktikum gemacht. Darüber bin ich zu einem Tonstudio gekommen, wo ich nebenbei noch gejobbt habe. Mein Studium hab ich zwar fertig gemacht, wusste aber schon, dass ich es zumindest inhaltlich nicht brauchen werde. Im Anschluss habe ich drei Jahre freiberuflich im Bereich Online PR mit zwei ehemaligen Kolleginnen des Labels gearbeitet; & danach im Artist Management & irgendwie einem Mix aus allem. Bald hat sich herauskristallisiert, dass es mich in die Live-Branche zieht, weil Live-Musik  für mich einfach die Essenz von alldem ist. & so bin ich zu der Booking Agentur gekommen, bei der ich seit 2019 als Projektmanagerin arbeite. 

    Was würdest du gern an andere Frauen in der Branche weitergeben?

      Was ich schön finde, ist wenn sich Frauen untereinander supporten & vernetzen; im Sinne von „Tut euch zusammen & seht euch nicht als Konkurrenz“. Es ist viel geiler, sich gegenseitig zu pushen & es ist immer genug Platz für mehrere. Diesen Gedanken “Es kann nur Eine an der Spitze geben!“ mag ich gar nicht. 

      Ich beobachte schon manchmal, dass manche Frauen das Gefühl zu haben scheinen, sich „männlich“ verhalten zu müssen, um respektiert zu werden. Das ist meiner Meinung nach schade & gar nicht notwendig, denn die Persönlichkeit sollte bestimmen, wie man z.B. ein Team führt & nicht das Geschlecht. Außerdem bestärkt das ja wieder die festgefahrene Denke, dass manche Jobs am besten von Männern gemacht werden könnten.

      Welche Frauen in der Branche bewunderst du & warum?

        Ich habe keine speziellen Vorbilder. Vielmehr sammle ich Eindrücke & gucke mir gezielt Dinge oder Eigenschaften ab, die mich inspirieren. Cool finde ich, wenn Frauen in die technischen Bereiche gehen, ob jetzt im Studio oder bei Bühnenproduktionen, weil man sich da noch krasser behaupten muss als eh schon. 

        Mit einer Produzentin aus dem Studio hatte ich mal die Situation, dass ich sie für eine Produktion eingeplant habe & der Kunde am Telefon mich fragte, ob sie das auch wirklich kann. So eine Situation hatte ich noch nie, wenn ich einen der männlichen Toningenieure eingeteilt habe. Es kommt leider immer noch vor, dass Frauen solche Jobs nicht zugetraut werden.

        Welchen Wandel siehst du in der Branche?

          Ich bemerke, dass es mittlerweile eine größere Aufmerksamkeit für das Thema Gleichstellung gibt: “Wie viele Frauen haben wir bei uns, in welchen Positionen sind sie, wie können wir uns aus dieser alten Rollenverteilung raus bewegen (weibliche Assistenz, männlicher Vorgesetzter)?” – solche Fragen werden präsenter. Auch bei der Besetzung auf den Bühnen oder bei der Zusammenstellung von Live-Crews kann ich heute öfter als früher beobachten, dass Gender Equality thematisiert wird.  Zum Wandel gehört auch das Gendern im Sprachgebrauch. Klar gibt es noch Leute, die das nicht mitbekommen haben, aber es wird immer mehr angewendet. 

          Ich persönlich tausche mich regelmäßig mit Kolleg*innen (intern & extern) zum Thema Rollenklischees aus. Wie reagiere ich, wenn zum Beispiel in einem Meeting in größerer Runde ein Spruch kommt, der solche Klischees bekräftigt? Ich bespreche mich dann gern, um zu reflektieren, ob ich das nur allein so wahrgenommen habe oder andere auch. Ich habe keinen „Masterplan“, wie ich in solchen Situationen reagiere. Meiner Erfahrung nach ist es am besten, sich die betreffende Person in einer ruhigen Minute beiseite zu nehmen. Es hängt dann auch total davon ab, wie offen die Person für solche Kritik ist – das gilt neben der beruflichen Ebene ja auch für den privaten Kontext. 

          Wie nimmst du den Fokus von dir (als Frau) hin zu dir (als Person) in der Branche?

            Dieses Gefühl wird einem ja eigentlich nur von außen gegeben, man selbst nimmt sich eh erstmal als Person wahr. 

            Wenn ich auf mein Geschlecht reduziert werde, spreche ich das an oder gehe in die Diskussion. Ich weise darauf hin, dass mein Geschlecht nichts zur Sache tut. Wenn mehr Frauen vor Ort sind, passiert so ein Schubladendenken definitiv weniger, weil man eben nicht mehr als Ausnahme wahrgenommen wird. 

            Was müsste deiner Meinung nach passieren, um die Sichtbarkeit zu erhöhen?

              Wie wahrscheinlich bei allen Sachen: Wenn man etwas erreichen möchte, muss man darüber reden, sich austauschen. Projekte wie dieses tragen hoffentlich dazu bei. Frauen muss noch öfter eine Bühne gegeben werden, damit wir unsere Präsenz & Reichweite erhöhen. 

              & je mehr Kolleginnen sich in diese Bereiche begeben, desto selbstverständlicher wird dann auch ein Miteinander. Wenn ich aus einer Produktion/Crew die Frage nach mehr Frauen bekomme, dann kommt das fast immer von den weiblichen Mitgliedern. Egal ob jetzt auf der Bühne oder dahinter. Perfekt fände ich es, wenn sich das alles irgendwann einfach natürlich ergibt & vermischt. Wenn Geschlecht kein Entscheidungskriterium ist, sondern Kompetenz, Sympathie & Verfügbarkeit. 

              Welche Maßnahmen würden dir aktuell in der Pandemie helfen?

                Wir sind jetzt seit einem Jahr in Kurzarbeit im Home Office. 

                Mir würde helfen, wenn Konzerte & andere kulturelle Veranstaltungen auf politischer Ebene mehr Wichtigkeit erfahren würden. Wenn stärker thematisiert würde, ob & wie diese Veranstaltungen unter entsprechenden Hygienemaßnahmen zeitnah stattfinden können. Es gibt ja bereits einige Projekte, bei denen Indoor-Konzepte getestet werden; aber das ist gefühlt einmal & dann reicht‘s auch erstmal wieder mit Kultur. Eine Perspektive nach diesem Jahr, in dem die ganze Live-Branche zum Stillstand gezwungen war, wäre mir wichtig.

                Gibt es etwas, was du unbedingt noch sagen möchtest?

                  Ich freu mich, dass es Projekte wie dieses gibt! Weil es einfach wichtig & hilfreich ist, dass wir Frauen uns untereinander vernetzen, Erfahrungen austauschen, gemeinsam Ideen entwickeln. & dabei auch Männer mit ins Boot holen – es soll ja nicht gegeneinander laufen, sondern miteinander & auf Augenhöhe.