Johanna Homburger

Veranstaltungsmanagerin

Wie bist du in den Bereich gekommen? Wie war dein beruflicher Werdegang?

Ich hatte leider nie einen Plan, was ich werden möchte. Mein Studium der Medienwissenschaften und Germanistik hat mich da auch nicht weitergebracht. Nach meiner Bachelorarbeit fühlte ich mich unsicher und verloren. Was jetzt? Master? Eigentlich keine Lust darauf … erst mal was Arbeiten und den Kopf freibekommen. In Ulm wurde ich auf ein Ein-Jahres-Praktikum im Kulturzentrum ROXY aufmerksam (das ging damals noch). Dort stellte ich mich vor, bekam den Platz und ein halbes Jahr später wurde ich gefragt, ob ich bleiben möchte. Mir wurde eine Stelle eingerichtet – endlich ein Match. Nachdem ich sechs Jahre lang vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit und das Thema Sponsoring zuständig war, bin ich nun fest im Bereich Veranstaltungsmanagement angekommen. Was ich schon immer gemacht habe und was ich liebe: Veranstaltungsleitungen. 

Wer oder was hat dir auf deinem Weg geholfen? 

Sehr wichtig sind meine Eltern. Sie haben mich nie unter Druck gesetzt, sondern darin unterstützt, eine Tätigkeit zu finden, mit der ich mich identifizieren kann und die mir Spaß macht. Darüber hinaus gilt ein großes Dankeschön dem ROXY-Team, das mir über die letzten zehn Jahre die Möglichkeit gegeben hat, mich weiterzuentwickeln, meine Stärken, Schwächen und Leidenschaften kennenzulernen.

Wie können sich Frauen in der Branche mehr unterstützen? 

Ich glaube besonders essentiell ist es, sich nicht als Konkurrentinnen wahrzunehmen, sondern sich gegenseitig zu feiern.

Was war ein schöner Moment zuletzt?

Im Mai 2021 konnten wir das viertägige Female-Festival „FEMTASTIQUE“ durchführen – aufgrund zu hoher Corona-Inzidenzen im Stream. Zehn Bands, ein Workshop und ein Panel. Alles von einer Female-Crew organisiert und umgesetzt, vorwiegend Frauen auf der Bühne. Das war sehr empowernd, hat neue Netze gespannt und hat zudem sehr viel Spaß gemacht.

Wie nimmst du den Fokus von dir (als Frau) hin zu dir (als Person) in der Branche?

Ich sehe mich selbst weniger explizit als Frau im Job, mehr als Johanna. Allerdings würde ich mich sehr freuen, wenn ich jungen Personen als Frau auffalle und somit eine bestehende Vorstellung neu überschreiben kann.

Was bestärkt dich in schwierigen Zeiten?

Dass ich mit mir selbst im Reinen bin und so viele, wundervolle Menschen in meinem Leben habe.

Was würdest du gern an andere Frauen in der Branche weitergeben?

Vergleicht euch nicht. Widersprecht, wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt. Sucht das Gespräch in euren Wirkungskreisen. Tatsächlich können offene Dialoge sehr viel bewirken, auch für euer Gegenüber. Und fragt nach Unterstützung, wenn ihr welche braucht.

Was müsste deiner Meinung nach passieren, um die Sichtbarkeit zu erhöhen?

Bewusstsein ist alles, denn man kann einen Gedanken nicht rückgängig machen. Wir müssen viel darüber sprechen, dass es ein Ungleichgewicht auf und hinter den Bühnen in unserer Branche gibt. Hier sind vor allem Veranstalter:innen, Bookingagenturen und weitere Arbeitgeber:innen gefragt. Genauso wichtig finde ich das Deutlichmachen und Abbauen von (unbewussten) Vorurteilen: „Frauenmusik“ ist kein Genre, Technikpulte sind keine Männerdisziplin. Kleine Mädchen dürfen auch ans Schlagzeug. Nur, weil ich eine hellere Stimme habe als du, bin ich nicht weniger kompetent.

Am besten fängt man jedoch bei sich selbst an: Was ist eigentlich meine eigene Einstellung?

Was ist dein wichtigstes Tool im Arbeitsalltag?

Meine Beine – sie bringen mich schnell von A nach B.

Würdest du dich wieder für diese Laufbahn entscheiden und wenn ja, warum?

Unbedingt. Meine Arbeit ist herausfordernd und abwechslungsreich, hat mit Menschen zu tun und bereitet so vielen Beteiligten eine riesige Freude und Erholung vom Alltag. Ich liebe meinen Job.