Assistant Promoterin
Wie könnten sich Frauen in der Branche mehr unterstützen?
Indem man sich positives Feedback gibt und Kritik auch entsprechend optimistisch formuliert. Sich gegenseitig den Rücken frei halten. Füreinander da sein, falls Fragen aufkommen, damit erst gar keine großen Fehler passieren. Das kann so viel ausmachen, das sollten Frauen untereinander für die Zukunft weitertragen. Und wenn man dann in der Position ist, jemanden unterstützen zu können, heißt es: Support, Support, Support!
Wie gehst du damit um, wenn du in Schubladen gesteckt wirst?
Was ich bisher noch falsch mache; ich tue es erstmal ab. Ich denke dann, dass es für den Ablauf momentan nicht wichtig ist und ich deshalb nicht weiter darauf eingehen muss – und ich schließlich ja selbst weiß, dass ich mehr bin als nur eine Schublade. In Zukunft möchte ich da aber schon etwas sagen beziehungsweise später noch einmal darauf eingehen. Den Mut und das Selbstbewusstsein, das man für diese Konfrontationen allerdings benötigt, müssen sich erst noch in mir verankern. Als Frau mit Migrationsgeschichte war es immer einfacher und sicherer, mich erstmal unterzuordnen. Mittlerweile weiß ich aber zum Glück, dass ich das nicht machen muss. Das Bewusstsein dafür ist aber leider – wie so vieles – ein Prozess und ich muss mir antrainieren, ab und zu einfach mal innezuhalten und mein Handeln und Denken zu reflektieren.
Über welches unbequeme Thema, außer Sexismus, müsste mehr gesprochen werden?
Es gibt vieles. Rassismus, Sexismus und Homo- bzw. Transphobie sollten niemals aus den Diskussionsrunden verschwinden. Ich finde es aber auch wichtig über Bodyshaming zu sprechen. Wenn sich über Künstler*innen ausgetauscht wird, kommen schnell Kommentare zur Figur und das Aussehen wird mit anderen Künstler*innen verglichen. Das sind Unterhaltungen, die nichts mit der eigentlichen Kunst zu tun haben und meiner Meinung nach sinnlos sind.
Was würdest du gerne an andere Frauen aus der Branche weitergeben?
Einfach machen, was auch immer ihr machen wollt, einfach loslegen! Auch wenn andere sagen, dass das nicht für euch sei. Nicht verunsichern lassen, ausprobieren und am Ende selbst sehen, ob das etwas für euch ist.
Was bestärkt dich in schwierigen Zeiten?
Klischee, aber meine Freund*innen, die Menschen, die ich in meinem privaten Umfeld gerne um mich habe. Natürlich ist es auch schön, wenn man jemand aus dem beruflichen Umfeld ein offenes Ohr für mich hat. Manchmal ist es aber auch ganz gut, wenn man sich eine branchenfremde Meinung einholen kann.
Wer oder was hat dir auf deinem Weg geholfen?
Eigentlich alle Kolleg*innen bisher! Ich bin sehr froh, dass ich so viele positive Erfahrungen machen konnte. An dieser Stelle ein fettes Shoutout an Niclas Henßen, der mich von Anfang an unterstützt und mich quasi direkt ins Geschehen mitgenommen hat.
Welche Maßnahmen würden dir aktuell in der Pandemie helfen?
Nachhaltige Veranstaltungskonzepte für alle Bundesländer, wären sehr hilfreich. Ich verstehe, dass die Situation komplex und schwierig ist, aber es wäre gut einen Leitfaden zu haben, mit dem man planen kann.
Welchen Wandel siehst du in der Branche?
Ich habe das Gefühl, dass unsere Generation viel offener ist und mehr Bock auf freundschaftliche Diskussionen und Gemeinschaft hat. Ich würde behaupten, dass vor allem die weiblich gelesenen Personen in den Generationen vorher eher in einer Ellenbogengesellschaft koexistierten. Was man auch nachvollziehen kann, wenn man sich die üblen Frauenquoten anschaut. Jede musste quasi für sich selbst den Weg ebnen und die Glasdecke durchbrechen. Aber jetzt kommen wir zusammen, tauschen uns aus und geben uns bei Problemen Tipps und Unterstützung. Ich freue mich, wenn ich Panels und Artikel sehe, die nicht nur wirtschaftliche Themen behandeln, sondern auch mal Mental Health in der Branche diskutieren. Dass wir alle empfänglicher für diese emotionalen Themen sind, ist für mich ein großer, wichtiger Wandel.
Wie bist du in den Bereich gekommen, wie war dein beruflicher Werdegang?
Ich war als Jugendliche – wie wir vermutlich alle – auf vielen Konzerten und Partys. Ich komme aus Berlin und habe mich mit 16 auf Veranstaltungen geschmuggelt – dabei habe ich schon die ersten Menschen aus der Branche kennengelernt. Ich habe schnell gemerkt, dass ich im Zusammenhang mit Musik nicht nur mein Taschengeld ausgeben möchte, sondern auch mein Gehalt verdienen will. So bin ich nach einem Praktikum in der Promo zu meinem Ausbildungsplatz als Veranstaltungskauffrau gekommen und arbeite nun mittlerweile seit 6 Jahren im Tour Booking.
Was müsste passieren, um die Sichtbarkeit von Frauen in der Branche zu erhöhen?
Es müssten mehr leitende Positionen mit Frauen besetzt werden und auch bei Panels sollte man repräsentativ die Kolleginnen teilnehmen lassen. Es wäre außerdem wichtig, nicht nur die (noch) primär männlichen Booker auf Festivals und Social Networking Veranstaltungen zu schicken, sondern auch Junior Bookerinnen oder Assistentinnen teilnehmen zu lassen und wichtigen Partner*innen vorzustellen. Davon würden alle Seiten profitieren.
Was würdest du gerne besser können, was machst du schon besser?
Ich würde gerne öfter Risiken eingehen und mich nicht allzu lange an Sachen aufhängen, die mal schief gelaufen sind. Überdenken ist etwas, das mir eigentlich noch nie geholfen hat, daher möchte ich mir das gerne abgewöhnen. Was mir dabei hilft, ist dass ich so langsam verstanden habe, dass ich nicht allen gefallen muss. Weder mit meinem Aussehen, noch mit meinen flachen Wortwitzen. Das macht schon vieles einfacher.
Würdest du dich wieder für diese Laufbahn entscheiden?
Auf jeden Fall, es macht einfach Spaß. Man lernt so viele interessante Menschen kennen und bildet so viele Kompetenzen aus. Ich möchte die Erfahrungen nicht missen und freue mich schon darauf, wenn es wieder losgeht.
Welche Frauen in der Branche bewunderst du und warum?
Ich bewundere alle Frauen, die auf Vorurteile und Meinungen anderer scheißen und einfach ihr Ding durchziehen. Die, wenn sie auf etwas Bock haben, es einfach machen. Da habe ich richtig Respekt vor.
Wie nimmst du den Fokus von dir als Frau hinzu dir als Person in der Branche?
Indem ich mich auf meine Arbeit konzentriere und versuche diese gut zu machen. Ich versuche mir nicht alles zu Herzen zu nehmen, sondern nur die Kritik aufzunehmen, die wirklich meine Arbeit betrifft. Wenn blöde Kommentare zu mir als Frau kommen, gibt es direkt was zurück, dagegen kann man sich ruhig wehren.
Was hat dich deine Arbeit in der Veranstaltungsbranche gelehrt, was du auch auf andere Lebensbereiche anwendest?
Flexibilität, Struktur und Selbstbewusstsein, sind Kompetenzen, die man auf jeden Fall mitnimmt. Ich würde behaupten, man reagiert auf fast alle Situationen entspannter, wenn man einmal in der Branche gearbeitet hat.